Am 31. Januar 2020 trafen sich die Whisky-Taster im wunderschönen Salle Nollet im Mercure Hotel Hannover-City, um sieben verschiedene Destillate der Aberlour-Destillerie aus dem Herzen der Speyside, zu verkosten.

Wir gingen dabei der Frage auf den Grund, ob man den Hausstil, der als weich, nussig, sherry-tönig (was bei der Lagerung in großen Warehouses mit Ex-Bourbon und Ex-Sherryfässern keine große Überraschung sein dürfte), mit Honig-Süße und wärmend beschrieben wird, in den verschiedenen Whiskys findet.

Da die Destillerie sehr großen Brennblasen verwendet und eine Faustregel besagt: Je größer die Brennblasen, desto milder das Destillat, waren wir außerdem gespannt, ob sich diese Milde während der Verkostung zeigt.

Im Einzelnen tasteten wir:

Vol. % Bewertung
• Aberlour 10yo 40
• Aberlour Triple Cask 40
• Aberlour White Oak 2007/2017 40
• Aberlour nonchild-filtered 12 yo 48
• Aberlour 16yo 40
• Aberlour Casg Annamh Batch No. 2 48
• Aberlour A’Bunadh Batch No. 62 59,9

Zusammenfassend kann man sagen, dass die folgenden Sorten unserer Gruppe am besten geschmeckt haben. Gewonnen hat der A’Bunadh, gefolgt vom Triple Cask sowie dem Non Chill Filtered 12 yo auf Platz 3.

Aberlour   10yo      40 Vol. %

Der 10yo aus der Standard Range, bestehend aus besteht aus Bourbon- und Sherry-Whiskys, bildete den Start der Verkostung am heutigen Abend. Für unsere Whisky-Taster am Tisch waren vor allem der Honig sowie die Aromen von Ingwer und Pfeffer präsent. Aus den offiziellen Tasting-Notes wie süßliches Aroma, voll mit malziger Note und einer frischen Honigwolke, wurde lediglich die malzige Note nicht wirklich präsent wahrgenommen.

Die dezenten Raucharomen wurden von unserer Gruppe zwar verneint, aber die Frische und Würzigkeit war auf jeden Fall vorhanden, wie oben bereits durch Ingwer und Pfeffer beschrieben. Der Abgang, der offiziell als lang beschrieben wird, konnte dagegen bei uns eher als weniger lang bezeichnet werden.

Aberlour   Triple Cask      40 Vol. %     

Mit dem Triple Cask kosteten wir den letztlich drittplatzierten Whisky bereits als zweiten Whisky des Abends. Auch wenn das offizielle Birnenkompott-Aroma in unserer Gruppe weniger präsent war, konnten wir eher Apfel und Orange ausmachen. Der Triple Cask wirkte für uns weniger pfeffrig als der 10yo aus dem ersten Glas. Er bringt aber dennoch eine gewisse Würzigkeit mit sich. Im Finish war dieses Destillat etwas länger als der 10yo. Gereift ist dieser Whisky in zwei unterschiedlichen Fassarten, aus amerikanischer Weißeiche sowie einem Sherry-Fass aus Spanien. Der Triple Cask galt auch für uns als durchaus komplex und vollmundig.

Aberlour   White Oak 2007/2017      40 Vol. %

Der White Oak, der als dritter Whisky am heutigen Abend verkostet wurde, gefiel unserer Gruppe nicht ganz so gut. Er reifte 10 Jahre in amerikanischer Weißeiche. Von den offiziellen Tasting Notes wie sehr fruchtig mit süßen Orangenaromen, Kokosnuss, Vanille, eine Spur Sahnebonbons, war am ehesten die Orange zu bemerken. Ansonsten hinterließ der Whisky bei dem ein oder anderen Taster ein gewisses „Kribbeln“ in der Nase. Geschmacklich gesehen würden wir den Whisky als OK bezeichnen, aber sicher kein Highlight an diesem Abend.

Aberlour   non-chil-filtered 12 yo      48 Vol. %    

Mit seinen 48 Vol. % kam der 12yo non-chil-filtered auf den 2. Platz in unserer Verkostungsrunde, gereift in Sherry- und Bourbon-Fässern und eben nicht kühlfiltriert, wie der Name schon sagt. Hauptsächlich wurden Sahnebonbons und Milchschokolade und eine Cremigkeit genannt, ohne aber ein wirkliches Aroma von dunkler Schokolade mitzubringen, die offiziell erwähnt werden.

Darüber hinaus wurden Fruchtaromen genannt sowie Honig aber auch Peperoni-Aroma waren für einige Taster im Spiel, was offiziell vermutlich eher durch deutliche Fasswürze beschrieben sein dürfte. Aus den offiziellen Notes konnten auf jeden Fall Honig sowie Koriander bestätigt werden, allerdings nicht von jedem Taster.

Aberlour   16yo      40 Vol. %

Mit dem 16yo hatten wir als fünften Whisky an diesem Abend einen mehrfach ausgezeichneten Whisky aus Ex-Bourbon- & Ex-Sherry-Fässern im Glas.

Ein weiterer sehr schöner Whisky an diesem Abend, der eine besondere Süße mitbrachte. So wurden süße Noten wie Zuckerwatte und Blumigkeit bestätigt, die offiziell weiterhin auch durch süßen Konfekt beschrieben werden. Die Umschreibungen in unserer Runden ergaben sogar eine Assoziation mit dem süßen Duft von Babypuder oder interessanterweise auch Lavendel, was in den offiziellen Notes eher anders umschrieben wurde. Das offiziell genannte Aroma von Rosenwasser konnten wir nicht ausmachen.

Aberlour   Casg Annamh Batch No. 2      48 Vol. %

Mit dem Casg Annamh, was gälisch ist und seltenes Fass bedeutet, bekamen wir einen Whisky zur Verkostung, der durch 3 Fasstypen gereift ist. An der Reifung dieses Destillats beteiligen sich 1 x Oloroso Sherry Fass sowie 2 x Bourbon-Fässer.

Im Gegensatz zu den bisherigen Sorten des Abends konnte unsere Gruppe hier keine Fruchtdominanz im Glas ausmachen. Am ehesten wurde noch Kirsche genannt, die in den offiziellen Notes durch süße Maraschinokirschen genannt wurde. Auch der Hauch Ingwer kam für uns eher nicht zur Geltung.

Aberlour   A’Bunadh Batch No. 62      59,9 Vol. %   

Der letzte Whisky des heutigen Abends war zugleich auch unser Tagessieger. Mit dem hochprozentigen A’Bunadh durften wir einen wirklich tollen Whisky probieren, der trotz seiner Fassstärke für uns relativ mild und cremig aber mit sehr deutlichem Sherry-Aroma daherkam. Vielleicht ist dies die Milde, die sich entsprechend der weiter oben genannten Faustregel: „Je größer die Brennblasen, desto milder das Destillat“, aus der Verwendung der besonders großen Brennblasen ergibt. Beste Oloroso-Sherry-Fässer aus Jerez/Spanien sorgen für eine tiefrote Farbe. In unserer Gruppe wurde auch Walnuss als Aroma genannt, was sich auch in den Notes der Destillerie findet sowie Pflaumen und Rosinen wurden genannt. Die von uns wahrgenommenen würzigen Aromen werden offiziell durch bitter-süße exotische Gewürze beschrieben. Bei Schwarzkirsche und Tabakblättern hatten wir dagegen so unsere Zweifel, da diese Aromen auch nach ihrer Verkündung nicht auszumachen waren.

Kulinarische Begleitung

Neben dem beeindruckenden Ambiente, das uns das Mercure Hotel Hannover-City mit dem Salle Nollet wieder einmal geboten hat, wurden wir auch kulinarisch wieder verwöhnt. Das wie immer tolle Service Team des Mercure Hotels servierte den hausgebeizten Lachs als Vorspeise. Als Hauptgericht bekamen wir Lammrücken mit der bei uns bereits als legendär geltenden Blutwurstkruste. Als krönenden Abschluss durften wir eine Whisky-Mousse genießen.