Nach viel zu langer Corona Pause, in der wir uns nur virtuell treffen durften, haben wir am 5. Juni endlich unser nächstes persönliches Tasting veranstalten dürfen. Da Ilja uns das komplette Klubhaus zur Verfügung gestellt hat, konnten wir trotz wieder einmal sehr guter Auslastung auch die Corona-Abstandsregeln einhalten.
Besonders gefreut hat uns, dass wir nach der langen Pause mit Bastian Denkler gleich wieder einen neuen Markenbotschafter in unserer Tastingrunde begrüßen durften. Bastian ist bereits seit etwa 9 Jahren in der Whiskyszene unterwegs und nach mehreren Nebentätigkeiten, beispielsweise auf Whiskymessen, ist er seit Ende 2018 der Brand Ambassador der Penderyn Destillerie für die DACH Region.
Mit Penderyn Whisky verlassen wir bei diesem Tasting unser ursprüngliches „Jagdgebiet“ Schottland und widmen uns an diesem Abend der noch einzigen aktiven Destillerie in Wales (Es befindet sich eine weitere Destillerie in Wales im Aufbau und eine weitere aktive produziert bereits Rye-Whisky, verwendet dementsprechend einen anderen Rohstoff).
Bastian haben wir im letzten Jahr auf der Interwhisky-Messe kennengelernt und durften uns dort bereits an dem ein oder anderen leckeren Destillat erfreuen. Da uns der Geschmack derart gut gefiel, sind wir besonders froh gewesen, als er unserer Einladung für den heutigen Abend nachkam und uns zwischen Ilja’s Fish ‘n Chips und Rote-Grütze-Dessert mit 6 gut ausgewählten Sorten versorgte.
Penderyn ist eine recht kleine Destillerie, die es bereits einmal bis zur Schließung 1903 gab. Sie liegt mitten im Brecon Beacons National Park. Sollte man zum Beispiel zufällig mit dem Auto unterwegs nach Irland sein, kommt man automatisch dran vorbei und ein Abstecher ins Visitor Center lohnt sich laut Bastian definitiv.

Mit einem „iechyd da“ (gesprochen „Jachi da“, steht für „gute Gesundheit“), der walisischen Form des Zuprostens, starteten wir in die Verkostung, wobei alle probierten Whiskys ohne Altersangabe sind:

Vol. % Bewertung
• Penderyn Myth 41
• Penderyn Madeira Finished 46
• Penderyn Rich Oak 46
• Penderyn Rhiannon 46
• Penderyn Royal Welsh Whisky 43
• Penderyn Tawny Port Pipe Single Cask 59,8

Im Jahr 2000 gab es die Neueröffnung der Destillerie. Die Schlüsselpositionen für die Whiskyproduktion, in der hauptsächlich auf walisische Gerste gesetzt wird, werden bei Penderyn aktuell komplett von Frauen besetzt. Das Wasser für die Penderyn Brennerei kommt aus einer eigenen Quelle im Brecon Beacons Nationalpark.
Seit 2004 gibt es Penderyn Whisky wieder am Markt zu erwerben. Aufgrund des Erfolgs baut Penderyn gerade zwei weitere Destillerien an weiteren Standorten.
Ein wesentliches Alleinstellungsmerkmal von Penderyn ist das Brennverfahren mittels Faraday Pot und Column Still. Faraday Still geht zurück auf den Wissenschaftler Dr. David Faraday zurück, der maßgeblich an der Erfindung dieses zweistufigen Brennverfahrens beteiligt war.
Das Brennverfahren nutzt gegenüber herkömmlichen Whiskyproduktionen lediglich 40 Prozent der sonst benötigten Energie. Mit einem sehr innovativen Trennverfahren kann die Reinigung des Destillats und auch die Konzentration des Alkohols effizienter gestaltet werden. Mit dieser einstufigen Potstill-Destillation (eine Pot Still mit einer aufgesetzten Kolonne) erzeugt Penderyn in einem einzigen Brenndurchgang ein Destillat mit bis zu 92 Vol.-% Alkohol. In der Ausgabe #46 | Frühjar 2020 des „The Highland Herold“ ist eine detailliertere Erklärung der Penderyn-Still abgedruckt
(als PDF Download hier zu finden: https://www.highland-herold.de/documents/37/TheHighlandHerold_46.pdf).
Bastian weiß uns in die Besonderheiten der penderyn’schen Destillierkunst einzuweihen. Wie bereits erwähnt, verwendet Penderyn im Gegensatz zu den schottischen Destillerien eine Faraday Brennblase, die speziell für Penderyn entworfen wurde und den Bauvorschriften des Nationalparks (z.B. wegen der Höhe), in dem sich die Destillerie befindet, genügen musste. Während man sonst in Schottland oder Irland zweifach bzw. teilweise auch dreifach brennt, benötigt Penderyn nur einen Brennvorgang.
Das besondere Brennverfahren in der Faraday Brennblase ermöglicht bereits im ersten Brennvorgang satte 88-92 Vol. % für das New Make. Das New Make ist dadurch sehr fein und fruchtig und wird mit grünem Apfel bzw. Birne assoziiert. Während man in anderen Whiskyproduktionsverfahren teils unerwünschte Stoffe erst bei der Fassreifung neutralisiert, erfolgt dieser Prozess bei Penderyn bereits beim Brennen.
Laut Bastian ist das hohe Brennen auch einer der Gründe, warum man auf das Kaltfiltrieren verzichten kann und der Whisky in kalter Witterung trotzdem nicht eintrübt.
Insgesamt nimmt man sich bei Penderyn mehr Zeit für die Herstellung. Als Grundprodukt, das man vorzugsweise aus heimischer Produktion bezieht, wird beispielsweise historische Gerste der Sorten Optic und Golden Promise verwendet, die weniger Ertrag bringen und auch noch länger maischen müssen. So wird aus den sonst üblichen 2-3 Tagen Maischen bei Penderyn ein Zeitraum von 4-5 Tagen, wobei mit den Temperaturen 68, 80 sowie 90 Grad gearbeitet wird, um aus der Stärke den Zucker zu gewinnen.
Des Weiteren verfügt Penderyn aber auch über klassische Pot Stills für ihre Brennverfahren, was auch für zukünftige Abfüllungen interessante Varianten erahnen lässt.
Für die Reifung ihrer Destillate verwendet Penderyn hauptsächlich Ex-Bourbon Fässer der amerikanischen Buffalo Trace Destillerie und weitere Fassvarianten, wie zum Beispiel Rotweinfässer, zur Nachreifung, wie später noch den einzelnen Notes zu entnehmen ist.
Beim leckeren dritten Whisky des Abends wusste Bastian auch über die Verwendung von Hefe für die Whisky-Produktion zu berichten. So verwendet man bei Penderyn zwei verschiedene Hefestämme, wobei die erste Sorte für die „Power“ und die zweite Sorte für den fruchtig süßen Geschmack sorgt. Es entsteht zunächst ein 8-9 Vol. % Bier, welches dann weiterverarbeitet wird.

Nach der langen tastingfreien Zeit sind wir froh, endlich wieder einen Whisky des Abends küren zu können, wobei in diesem Fall sind es gleich zwei Gewinner des Abends. Gleich auf schmeckten unserer Tasting-Gruppe der Rich Oak sowie der Single Cask Tawny Port Pipe am besten, wobei der Rich Oak in seinen Einzelwertungen gleich 5 mal zum besten Whisky ernannt wurde. Auf dem dritten Platz landet der leicht getorfte Royal Welsh Whisky.

Penderyn Myth 41 Vol. %

Der Penderyn Myth gehört zur sogenannten Dragon Serie der Destillerie, in der es darüber hinaus auch noch den Legend sowie den Celt gibt. Die gesamte Dragon Serie verfügt über 41 Vol. %.

Seine milden 41 Vol. % verdankt der Myth laut Bastian seinen französischen Verkostern, die einen wichtigen Teil des Zielpublikums ausmachen. Da man in Frankreich auch gerne mal einen Aperitif genießt, ein Whisky aber auch gerne mit einer höheren Vol. % Marke daherkommt, entschloss man sich für eine mildere Variante mit nur 41 Vol. %.

Der Myth lagerte wie die meisten Penderyn Whiskys in den Ex-Bourbon Fässern von Buffalo Trace. Zur Nachreifung verwendet man für diesen Whisky Rotweinfässer.

Unser erstes Destillat des Abends entwickelt ein süßes und mildes Aroma und auch einen ebensolchen Geschmack. Somit ist er ein idealer Einstieg in den Abend und unser Gaumen kann sich langsam an den Alkohol gewöhnen, den wir bis zum Ende des Abends bis auf Fassstärke steigern werden.

Seine Noten beschreiben wir mit Apfel und auch Birne, was sich auch bereits im New Make zeigt und als charakteristisch für Penderyn zu gelten scheint. Insgesamt ist er  fruchtig und sehr mild.

Penderyn Madeira Finished 46 Vol. %

Mit dem Penderyn Madeira Finished kommt für den ein oder anderen ein bereits bekannter Whisky mit 46 Vol. % ins Glas. Wir hatten diesen Whisky bei unserer Online Verkostung ebenfalls im Programm.

Der Penderyn Madeira Finished gehört zur zur sogenannten Gold Serie, ebenso wie der Grand Slam, der Peated, der Portwood, der Sherrywood und unser dritter Verkostungswhisky des Abends, der Rich Oak. Das Gold ist eine Anspielung auf vergangene Zeiten, in denen in Wales tatsächlich Gold gefunden wurde. Man erkennt die Gold Serie auch am Goldstrich auf den Flaschen. Die Gold Serie bildet die Hauptrange oder Flagship-Serie.

Der Madeira Finished wird im charakteristischen Penderyn Brennstil produziert und reift wie die meisten Sorten zunächst in Ex-Bourbon Fässern ehe er nach etwa 6-8 Jahren zur Nachreifung für einen Zeitraum von 6 Monate bis zu einem Jahr in Madeira Fässer gefüllt wird. Anders als bei vielen heutigen Sherrynachreifungen, bei denen mittlerweile aufgrund eines Mangels auch Sherryfässer verwendet werden, die unter Hochdruck mit Sherry befüllt werden, um die charakteristischen Sherrynoten möglichst schnell zu erzeugen, bezieht Penderyn seine Madeirafässer von zwei Madeira Bodegas.

Da es sich bei Madeira um einen Süßwein handelt, wirkt sich dies auch auf das Whiskyaroma aus. Wir nehmen wieder wie bereits beim Whisky davor deutliche Fruchtnoten wahr und süßes Karamell oder Toffee.

Zu dem süßlichen Frucht- und Karamellumfeld gesellen sich noch ein paar Eichennoten.

Das Finish ist recht langanhaltend mit Vanille zur Fruchtnote und etwas Rosine ist auch wahrnehmbar.

Penderyn Rich Oak 46 Vol. %

Ein wirkliches Highlight des Abends war die Verkostung des Rich Oaks mit 46 Vol.%. Er gehört als jüngstes Mitglied zur Gold-Serie, zu der bereits der zuvor verkostete und beschriebene Madeira Finished gehörte.

Der Rich Oak geht noch auf eine Auswahl spezieller Bourbonfässer durch Jim Swan zurück. Der promovierte Chemiker und Biologe, der sich bereits während der Promotion mit dem Zusammenhang von Holz und der Whiskyreifung beschäftigte, galt als ausgesprochener Whisky-Experte, der im Laufe seines Lebens sehr vielen Destillerien zu außerordentlich gutem Whisky verhalf. Unter anderem arbeitete er als Master Distiller für Penderyn ehe er 2017 verstarb.

Für ein aktuelles Batch wird der New Make der Faraday Stils in eine Anzahl speziell ausgewählter Bourbonfässer sowie STR (shaved, toasted, re-charred) Weinfässer aus europäischer Eiche gefüllt.

Der Geruch lässt sich wieder durch Karamell aber auch dunkle Schokolade und Vanille beschreiben, was sich auch mit einer gewissen alkoholischen Note verbindet. Der Penderyn-Hauscharakter mit frischen grünen Früchten bleibt.

Geschmacklich ist der Whisky intensiver als das Aroma vermuten ließ. Er ist würzig und erinnert ein wenig an Heidekraut und Heidehonig.

Penderyn Rhiannon 46 Vol. %

Der vierte verkostete Whisky des Abends kommt aus der Icons of Wales Range, der dritten Serie der Penderyn Destillerie. Die Range, wie der Name bereits anklingen lässt, steht für spezielle Abfüllungen, die jeweils eine Person, einen Meilenstein oder ein Ereignis aus der walisischen Geschichte mit internationaler Bedeutung feiern.

Der Rhiannon ist einer mächtigen Zauberin und Pferdegöttin der alten walisischen Mythologie gewidmet. Die Geschichte stammt aus walisischen Sammlungen von mittelalterlichen Erzählungen. Rhiannon tritt dort als Mensch mit außergewöhnlichen Fähigkeiten auf.

Für diesen Whisky wird nicht nur auf reine Ex-Bourbon Fässer zurückgegriffen, sondern zusätzlich handelt es sich um eine Vermählung aus Bourbon und Oloroso Sherry-Fässern mit einem Finish in Grand Cru Rotweinfässern.

Neben dem würzigen Aroma kommen süßliche Vanille Komponenten und dunkle reife Früchte zum tragen.

Geschmacklich ist er deutlich komplexer als seine Vorgänger, da er ja auch Aromen aus drei verschiedenen Fasstypen bezieht und deutlich dunkle reife Früchte hervorbringt. Darüber hinaus nehmen wir Röstaromen und Zartbitterschokolade wahr.

Das Finish ist sehr lang mit süßlichen Eichentönen.

Penderyn Royal Welsh Whisky 43 Vol. %

Der Royal Welsh Whisky, ebenfalls aus der Icons of Wales Range, ist der vorletzte Whisky der heutigen Verkostung und zugleich der drittplatzierte. Dieser Whisky erinnert an die ursprüngliche Welsh Whisky Distillery, die 1903 geschlossen wurde und erzählt damit die Geschichte seines Vorgängers. Dem Original von damals in Flaschenform und Etikett nachempfunden, kommt er ohne Verpackung.

Der Royal Welsh bringt torfige Noten mit. Diese bezieht er allerdings nicht durch über Torf getrocknetes Getreide, sondern er erlangt diese Note durch seine Fassreifung in Fässern, in denen zuvor extrem rauchiger Whisky lagerte. Für den Royal Welsh werden regelmäßig bei einem schottische Fass-Broker Fässer der Größe Quarter-Cask von der Insel Islay gekauft, was eine Gewisse Vermutung der Fassherkunft in Richtung Laphroaig befeuern dürfte.

Dieser Whisky reift zunächst über 6-7 Jahre in Portweinfässern ehe er für weitere etwa 6 Monate sein Rauchfinish in den Quarter Casks von Islay erhält.

Der Geruch gibt den Rauch noch nicht wirklich preis. Dafür merkt man ihn auf der Zunge mehr. Es ist ein dezent feiner Rauch mit Vanillenoten. Unsere Gruppe meint, es ist ein leichter „Einstiegsraucher“ wiederum mit Noten von roten Beeren dem bereits mehrfach wahrgenommenen Karamell.

Er bietet auch eine etwas bittere Note mit viel Würze aber süßlich. Wir schmecken dunkle Schokolade und erahnen Kaffee oder Espresso. Auch im Finish bleibt der dezente Rauch erhalten.

Penderyn Tawny Port Pipe Single Cask 59,8 Vol. %

Der als letztes probierte Whisky des Abends, der Tawny Port Single Cask in Fassstärke mit 59,8 Vol. %, teilt sich den ersten Platz Whisky mit dem Rich Oak. Es handelt sich dabei um eine German Selection des Importeurs Schlumberger.

Der Whisky ist eine Vollreifung. 2013 destilliert lagerte er über etwa 6 Jahre in einem Tawny Port Pipe, ehe er im Sommer 2019 abgefüllt wurde. Bastian war dabei sozusagen auch der „Geburtshelfer“ und suchte das Fass mit aus.

Dieser tolle Whisky wirkt schon in der Flasche außergewöhnlich durch seine schöne rötliche Farbe, die er durch die Portweinreifung bekommt. Man nimmt beim Geruch eine deutliche alkoholische Note wahr.

Er schmeckt trotz des hohen Alkoholgehalts nicht sprittig und den meisten von uns sehr gut. Er ist deutlich würzig bis scharf aber dabei trotzdem süßlich.

Kulinarische Begleitung

Für das leibliche Wohl sorgte Ilja diesmal mit typisch britischem Fish ‘n Chips als Hauptgang sowie einer Roten Grütze als Dessert vor bzw. zum letzten Whisky des Abends.