Für den Monat Mai haben wir uns entschlossen, dass nun mehrfach verschobene Blindtasting, das ursprünglich als Präsenzveranstaltung geplant war, online durchzuführen. Corona führt also immer noch dazu, dass wir uns nur virtuell sehen können.

Das Thema „Blindtasting“ ist aber natürlich super geeignet, um es online durchzuführen. So waren es wieder 16 Whisky-Taster, die unserem Aufruf folgten „6 Whiskys völlig unvoreingenommen zu probieren“ und erst am Ende nach unserer Bewertungsrunde zu erfahren, um welches Destillat es sich handelt

Bei der Auswahl der Sorten haben wir uns entschieden, die üblichen Regionen Schottlands abzudecken und bei der Wahl der Destillerien darauf zu achten, dass es sich um bekanntere Destillerien handelt, auf die man beim Raten einfacher kommen könnte. Diese Strategie hat sich bestätigt, denn während der Verkostung wurden immerhin viermal die richtige Destillerie vermutet und einmal sogar der richtige Whisky erraten. Spannend war für unsere Whisky-Taster auch zu erfahren, wo bestimmte charakteristische Aromen herkommen und wie sie entstehen, vor allem wenn man überlegt, dass eigentlich nur Gerste, Hefe und Wasser den Weg in den Whisky finden. Das führte dazu, dass wir auch bei diesem Tasting, wo wir auf Details zur Destillerie verzichten mussten, um nichts zu verraten, ganze 3 ½ Stunden zusammen über die Destillate diskutierten. Wir haben uns auch noch einmal mit den Themen Aroma und Geschmack befasst und festgestellt, dass 80% von dem was wir im zweiten Schritt der Verkostung „Geschmack“ nennen, eigentlich noch zum „Riechen“ dazu gehört. Strenggenommen, schreiben wir damit in unseren Tastingnotizen viele Geruchskomponenten fälschlicherweise dem Geschmack zu. Da es aber durchaus gängig ist, dies so zu tun, bleiben wir dabei.

Während unserer Blindverkostung haben wir zu den einzelnen Destillaten lediglich verraten, in welchen Fässern der Whisky reifte oder einem Finish unterzogen wurde, bzw. aus welcher Region die Destillerie kommt.

 

Ohne weitere Details über Destillat oder Herkunft zu kennen, kosteten wir uns in folgender Reihenfolge durch den Abend:

Vol. % Bewertung
• Douglas Laing The Epicurean 46,2
• Glenmorangie The Tarlogan 43
• Glendronach Forgue 10 yo 43
• Tomatin Port Wood Finish 14 yo 46
• Kilkerran 12 yo 46
• Ardbeg Wee Beastie 5 yo 47,4

Die Bewertungsrunde fand bei diesem Blindtasting unmittelbar vor der Auflösung statt, welche Sorten wir denn nun im Glas hatten. So konnten unsere Verkoster dann auch sehen, an welcher Stelle sie vielleicht mit ihrem Tipp über Destillerie oder vielleicht sogar Destillat richtig lagen.

Als Gewinnerwhisky der Blindverkostung ist mit sehr deutlichem Abstand der Forgue 10yo von Glendronach bewertet worden. Sehr dicht beieinander lagen dann die weiteren Plätze, wo sich der Kilkerran 12 yo aus Campbeltown auf dem zweiten sowie der Glenmorangie The Tarlogan auf Platz drei durchsetzten. Beim torfigen Ardbeg war es wie erwartet wieder ein polarisierendes Voting. Von den Rauchfans unter uns bekam er viele Punkte, während die Freunde der leichteren Whiskys ihm aus verständlichen Gründen keine Punkte gaben.

Insgesamt kam unser Konzept, bekannte Destillerien auszuwählen und anhand charakteristischer Aromen fast ein komplettes Nosing-Wheel durchzusprechen sehr gut bei unseren Tastern an. Am Ende hatten wir fast zu wenig Zeit, um nach der Auflösung noch einmal detaillierter auf die verkosteten Destillate eingehen zu können. Wie versprochen beschreiben wir nachfolgend die einzelnen Sorten noch einmal genauer.

Douglas Laing      The Epicurean                          46,2 Vol. %

Gestartet sind wir mit dem bekannten Blend „The Epicurean“ vom unabhängigen Abfüller Douglas Laing. Eigentlich eine fiese Auswahl, wenn man seine Verkoster bittet zu erraten, um welche Destillerie es sich handelt. So waren wir uns aber einig auch Tipps zu belohnen, die beteiligte Destillerien erahnen konnten.

Die Blends von Douglas Laing sind dafür bekannt, die spezifischen Whiskyregionen Schottlands besonders gut zu repräsentieren. Der hier verkostete „The Epicurean“ ist laut eigener Aussage der typische Vertreter der Lowland Whiskys. Es handelt sich dabei um einen blended Malt, das heißt im Gegensatz zu anderen Blends, wo auch Grain Whiskys mit Malt Whiskys vereinigt werden, werden für den Epicurean ausschließlich Malt Whisky verwendet.

Der 2016 Lowland Blended Malt von Douglas Laing ist mit 46 Vol. % abgefüllt und zeigt auf der Verpackung eine Figur zeigt, die einen Glasgower aus den 1930er Jahren, einen echten Frechdachs, der auf jeder Party ein gern gesehener Gast war und ein Kenner von gutem Essen und Trinken war. So soll der Epicurean die Malts aus der Region Lowland, die die großen Städte Edinburgh, Glasgow sowie Fife umfasst, die süßen, grasigen Noten und ihren sanften Stil darstellen. Er soll, laut Recherche, Malts der bekannten Destillerien Auchentoshan, Bladnoch und Ailsa Bay vereinen und in Ex-Bourbon Fässern gereift sein.

Douglas Laing beschreibt ihn zusammenfassend als auffallend zitrusartig, frisch und grasig süß. Wir haben die Variante ohne Altersangabe im Glas. Es gäbe auch noch die „The Epicurean’s 12 Years Old Small Batch“ Variante.

Als Einstieg in den Abend entdecken unsere Nasen zunächst Aromen von Honig, Eiche, Apfel und vor allem Zitrusnoten, die wir durch Orange weiter spezifizieren. Zu der bisher genannten Fruchtigkeit ergänzen wir noch Birne und Erdbeere. Unserer Meinung wird dies durch die Aromen von Vanille und Karamell sowie Noten amerikanischer Eiche erweitert.

Geschmacklich, auch wenn wir hier wieder eigentlich Geruchsaromen beschrieben werden, finden wir ihn total anders als in der Nase. Vor allem die Fruchtnote weicht einer deutlichen Kräuternote, die einige Taster als Thymian beschreiben, was auch von Douglas Laing so bestätigt wird. Im Laufe des Abends gehen wir der Herkunft dieser Kräuternoten noch weiter auf den Grund und schauen, wie diese in unseren leckeren Whisky gelangen. Im Mund entwickelt der Epicurean eine leichte Schärfe mit einer Pfeffernote sowie einer Eichenwürze und etwas Bitterkeit. In der Nase wirkte er deutlich komplexer als im Mund. Rauch ist nicht wahrzunehmen aber es werden noch Aromen von Kaffee ergänzt.

Neben dem bereits erwähnten Thymian fügt Douglas Laing offiziell Noten von süßem, karamellisiertem Zucker hinzu und beschreibt ihn als vollmundig.

Den Nachklang beschreiben wir als eher kurz. Je länger er jedoch verweilt, desto angenehmer wirkt er. Er ist zunächst etwas scharf, ehe er dann im oberen Mundbereich in Milde umschwenkt. Laut des unabhängigen Abfüllers bringt der Nachklang typische Kräuternoten mit Mandeln, Gras und Karamell.

Unsere Umfrage zu diesem Whisky ergibt, dass einige dieses Destillat eher in die Highlands- bzw. Speyside Region verorten würden, es werden aber auch die Lowlands genannt. Mit dem Tipp es könne sich um ein Destillat von Auchentoshan handeln, lag ein Taster auch schon ziemlich gut. Bezüglich der Alkoholstärke schätzten wir Whisky-Taster den Epicurean eher auf 40 bis 43 Vol. %, was vielleicht auch dem geschuldet sein könnte, dass man üblicherweise mit etwas weniger Alkoholstärke beginnt.

Glenmorangie       The Tarlogan                            43 Vol. %

Für den zweiten blind verkosteten Whisky bewegen wir uns in die Highlands zur bekannten Glenmorangie Destillerie. Der Name des zweiten Whiskys geht auf die Herkunft zurück. Als „The Tarlogan“ spielt er auf die Tarlogie-Hills an in unmittelbarer Nähe zur Destillerie an.

Der Name Tarlogan selbst ist eine Hommage an die schottischen Vorfahren. Dieser Ausdruck ehrt einen alten piktischen König, von dem gesagt wird, dass er der Namensgeber der wertvollen Wasserquelle von Glenmorangie ist, den Tarlogie Springs.

Die Highland Destillerie ist bekannt für die höchsten Brennblasen in Schottland, man sorgt somit für ordentlich Reflux bei der Produktion und lässt dem Destillat während der Destilliervorgänge ausgiebig Zeit für Kupferkontakt.

Der Glenmorangie „The Tarlogan“ kam im Jahr 2016 neu in die Legends Collection und stellte eine Traveller’s Exclusive Limited Edition dar.

Durch die verwendete Reifung in Ex-Bourbon und vor allem Virgin Oak, passte er super in unsere Erkundungsreise zu den Ursprüngen bestimmter Aromen, wie beispielsweise Kokos.

Beim drittplatzierten Whisky des heutigen Abends strömen uns zunächst schöne Aromen von Rosinen, Marzipan und Honig in die Nase. Auch die erwähnte Kokosnote ist präsent. Es werden weiterhin malzige Noten wie Getreide und Cerealien genannt. Das Fruchtspektrum wird mit Apfel, Birne, Pfirsich, Datteln und Fruchtmarmelade genannt. Außerdem meinen wir Lebkuchen, Toffee und Mandeln zu riechen und auch eine Nussigkeit wird erwähnt.

Die offiziellen Noten von Glenmorangie beschrieben ihn als sahnige Vanillecreme mit Karamell, Mürbeteig, Kokosnuss und würziger Malznote und sind damit ziemlich deckungsgleich.

Geschmacklich dominieren Vanille, Karamell & Honig. Er wirkt kühl und süß. Mürbeteig mit süßem Zucker kann bestätigt werden und jemand beschreibt ihn als etwas klebrig auf der Zunge. Aus dem Aroma bleiben Pfirsich und vor allem Kokos erhalten.

Die Destillerie beschreibt den Geschmack als samtenes Gefühl auf der Zunge, was noch mehr Bourbonvanillenoten mit sich bringt mit karamellisierten Birnen und dann noch etwas frischem Obst und Zitronenschale.

Der Nachklang wird von uns als sehr angenehm beschrieben. Er ist definitiv süßer als der erste Whisky und bleibt auch länger erhalten als sein Vorgänger. Er ist leicht scharf und nur etwas wärmend. Mürbeteig und Vanille dominieren weiterhin das Finish.

Glenmorangie beschreibt den Nachklang als langanhaltend mit süßem Marzipan und der zitrusartigen Schärfe von frisch geriebenem Ingwer.

Bevor wir die Fasslagerung auflösen vermuten einige Whisky-Taster bereits, dass es sich um junge Eiche handeln dürfte und schätzen die Alkoholstärke mit Mitte 40 Vol. % bzw. 43 Vol. % ziemlich gut ein. Neben der korrekten Nennung der Highland Region trifft ein Taster sogar die Destillerie.

Glendronach         Forgue 10 yo                            43 Vol. %

Noch vor der Pause bekommen wir den heutigen Tagessieger in Glas. Der 10-jährige Forgue der Glendronach Distillery sichert sich mit deutlichem Abstand das Siegertreppchen und ergattert gleich doppelt soviele Punkte wie der Zweitplatzierte. Schön, dass diese tolle Destillerie auch bei einer Blindverkostung zu überzeugen weiß. Immerhin gehört Glendronach mit zu den Lieblingsdestillerien der Whisky-Taster.

Der 10 jährige Forgue hat eine Vollreifung in Oloroso und PX-Sherryfässern erhalten und dient damit super für die Ergründung von Sherryaromen im Whisky sowie deren Ursprung.

Der Name Forgue stammt vom Namen des Tals, in dem sich die Destillerie befindet.

In der Nase wirkt er eher jung auf uns. Als Aromen können wir Pflaume, Rosine und Zimt nennen und interessanterweise wird Mohnblume genannt. Dazu können wir Honig, Himbeere bzw. insgesamt eine Beerigkeit nennen, wie z.B. auch Preiselbeere. Auch Schokolade, Vanille, Joghurt, Lebkuchen und nachvollziehbar Sherry strömt uns in die Nase.

Glendronach, bei der mittlerweile ja Rachel Barrie für die Whiskys verantwortlich ist, beschreibt die Aromen mit Blutorange, Kirsche, erntefrischer Gerste, geröstete Kastanien, gebrannte Mandeln, dunkle Beererennoten und Karamellbonbons sowie Kakao mit winterlichen Gewürzen, was gut zu dem von uns genannten Lebkuchen passt.

Geschmacklich bleiben wir bei Joghurt und beschreiben den Geschmack von Himbeer-Joghurteis. Jemand prägt auch den Begriff der Campino-Bonbons, die ja auch für Fruchtigkeit stehen. Er schmeckt nach Vanillie und wirkt fast süßlich wie ein Likör. Auf der Zunge sorgt er für etwas Schärfe und liefert noch Lakritz- und einen Hauch von Tabaknoten mit.

Die Brennerei bleibt bei der Beschreibung des Geschmacks bei Orange und Kirsche mit Noten von Gerste, schwarzer Johannisbeere, Karamellpralinen und Brombeeren.

Den Nachklang beschreiben unsere Whisky-Taster als lang. Er beginnt schön mild und entwickelt dann eine leichte angenehme Schärfe. Zum Ende hin ergibt sich eine nicht unangenehme Bitterkeit. Durch Glendronach wird langanhaltend und ausgewogen mit Orange, Muskat und einem Hauch von Tabak ergänzt, dessen Note wir ja auch schon beschrieben hatten.

Das Alter schätzen unsere Verkoster in einer Range von 8 bis 12 Jahren ziemlich gut ein. Die Alkoholstärke weicht bei Schätzungen von 43 Vol. % bis 46 Vol. % kaum von den abgefüllten 43 Vol. % ab und auch die Fassreifung wird mit Sherry getroffen. Zusätzlich wurden Bourbon und Rotweinfässer vermutet. Auch bei diesem Whisky kommen unsere Taster auf die richtige Destillerie.

Tomatin                Port Wood Finish 14 yo             46 Vol. %

Nach der Pause dürfen wir den 14-jährigen im Portweinfass gefinishten Whisky der Tomatin Destillerie aus den Highlands probieren. Mit einer guten Punktzahl hat er das Treppchen nur ganz knapp verfehlt und lag ziemlich gleichauf mit dem letzten Whisky des Abends, dem Wee Beastie von Ardbeg.

Im Gegensatz zur Vollreifung in Sherryfäsern, was wir beim Glendronach untersuchen durften, reifte der Tomatin zunächst in Ex-Bourbonfässern ehe er noch für 18 Monate ein Finish in einem Tawny Port Fass bekam, dem er dann auch seine Farbe zu verdanken hat.

Der Name  beschreibt somit schon vorab, was man erwarten darf: volle Portweinnoten. Im Aroma finden wir zunächst viel Frucht, spezifiziert durch Birne oder Apfel, bzw. saurer Apfel und Erdbeere und auch Orange wird genannt. Hinzu kommen noch Karamell und Toffee. Während die Destillerie von vollen Portaromen spricht, nennen wir diese eher unspezifisch. Zusätzlich beschreibt Tomatin süße Äpfel, Karamell, Honig, reife Beeren und einen Hauch dunkler Schokolade.

Geschmacklich kommt für uns dunkle Schokolade, Boskop-Apfel sowie eine Pfeffernote und ganz minimal Salz hervor, das durch Salzmandeln näher beschrieben wird. Wir können weiterhin durch Lakritznoten, Cremigkeit, etwas Trockenheit sowie nussige Noten wie Haselnuss und Mandeln erweitern.

Auch die Brennerei beschreibt diese Nussigkeit. Zusätzlich nennt sie den Whisky komplex mit vielen Früchten wie Pfirsich, Mango und Pflaume.

Der Nachklang erzeugt bei uns eine angenehme Wärme ohne dabei aber scharf oder pfeffrig zu sein. Etwas Salz bleibt. Er ist eher mittellang, was die Destillerie noch durch mild und fruchtig ergänzt.

Bei unserem Ratespiel verortet man dieses Destillat eher in den höheren 4x Vol. % bei eher 48 Vol.% als 46 Vol. %. Als Fässer werden dann auch Sherry- aber auch Portweinfässer vermutet und auch beim Destillerietipp gab es mit Tomatin wieder einen Treffer. Durch die subtile Salznote verorteten einige unserer Whisky-Taster ihn eher auf eine der Inseln als in die Highlands.

Kilkerran               12 yo                                       46 Vol. %

Nachdem wir nun schon einen typischen Lowlander, eine Virgin Oak Fassreifung, eine Sherryfassreifung sowie eine Portweinnachreifung probieren durften, kommt mit dem vorletzten und zweitplatzierten Whisky der Kilkerran 12 yo ins Glas. Wir sind gespannt was wir hier vielleicht Campbeltown-spezifisches entdecken dürfen. Thematisch beschäftigen wir uns auch noch einmal mit der Kräuternote vom ersten Whisky und landen bei den Aldehydnoten, die während der Whiskyproduktion den Weg ins Destillat finden. Ein weiteres schönes Beispiel wie komplex die Aromenvielfalt eines Getränkes sein kann, in das nur Getreide, Hefe und Wasser gegeben wird und ein weiterer Schritt auf dem Nosing-Wheel.

Der Kilkerran 12 yo entstammt der Glengyle Brennerei aus Campbeltown, einem Ort auf der Kintyre Halbinsel, der aufgrund seiner früheren Wichtigkeit als Whiskyzentrum immer noch als eigene Region geführt wird. In seiner Hochzeit befanden sich hier über 30 Destillerien, die den ganz speziellen Campbeltowngeschmack ins Glas brachten.

Von der ursprünglichen Ausrichtung der Campbeltown Whiskys, starke, vollmundige, scharfe Whiskys mit einem Geschmack hervorzubringen, der nicht jedermanns Sache ist, ist nicht viel übriggeblieben. Der Stil hat sich im Laufe der Zeit angepasst, schließlich war der spezielle Campbeltown-Touch neben weiteren einer der Gründe, der fast zum Erliegen der kompletten Whiskytätigkeit auf der vormals so starken Whiskyregion führten. Der Geschmack der Whiskyliebhaber änderte sich damals. Heute existieren mit Springbank, Glen Scotia sowie der hier im Blindtasting vertretenen Glengyle Destillerie lediglich drei aktive Brennereien in Campbeltown.

Der Name des Whiskys „Kilkerran“ leitet sich vom gälischen “Ceann Loch Cille Chiarain” ab, dem Namen des ursprünglichen Ortes, an dem der Heilige Kieran (Ciaran of Clonmacnoise), einer der zwölf “Apostel Irlands”, einst lebte, und zwar genau in der Gegend, in der sich heute die Stadt Campbeltown befindet.

Die Glengyle Destillerie wurde erst im Jahr 2000 durch einen damaligen Entschluss der ebenfalls in Campbeltown beheimateten Springbank Destillerie wiederbelebt. Seit 2004 wird hier wieder Whisky hergestellt, der laut Hausstil ölig, malzig und maritim-salzig sowie mittel bis schwer rauchig beschrieben wird.

Unser heutiger zweitplatzierter Whisky, der 12-jährige Kilkerran, reifte zu 70 % in Ex-Bourbon sowie zu 30 % in Sherry Casks. Im Allgemeinen wird er als maritim und fruchtig beschrieben. Durch das mit etwa 12-15 ppm angegebene getorfte Malz bringt er eine schöne milde Rauchnote mit.

Zum ersten Mal an diesem Abend nehmen wir eine Torfnote wahr. Hinzu kommt die bereits bekannte Mürbeteignote. Die Fruchtigkeit beschreiben wir mit Apfel und Orange. Auch bemerken wir eine salzige Lakritznote. Der Rauch wird als wenig und ausgewogen beschrieben und weiterhin mit Holznoten von Sandelholz beschrieben sowie eine Weihrauchnote wird im attestiert. Ein weiteres Aroma meinen wir als Rosenblätter erkannt zu haben. Die Glengyle Destillerie beschreibt das Aroma mit kräftiger Eiche mit gerösteten Marshmallows und Marzipan, süßem Pudding mit Trockenfrüchten, Kirschen und etwas Rauch.

Geschmacklich entdecken wir sehr viel Eiche. Es hat eine als angenehm beschriebene Ingwerschärfe mit Seegrasaromen bietet aber auch eine schöne Süße mit Keksaromen sowie einer leichten Bitterkeit von dunkler Schokolade.

Aus der Brennerei fügt man Zitrusfrüchte, später Vanille, Butterscotch und Kekse mit Honig hinzu.

Den Nachklang beschreiben wir als mittellang und interessanterweise mit einem regelrechten Bremseffekt mit Birnengeschmack, der bleibt. Im Nachklang gestaltet er sich etwas rauchig. Glengyle weiß das Finish weich mit einer leichten Öligkeit, Zitrus und einer Prise Salz zu beschreiben.

Die Alkoholstärke wird mit 45-46 Vol. % richtig eingeschätzt, allerdings schreiben unsere Whisky-Taster ihn den Inseln zu oder spezifisch der Benriach Destillerie in der Speyside. Bei diesem Destillat hatten wir keine Ratetreffer.

Ardbeg                 Wee Beastie – 5 yo                  47,4 Vol. %

Ratetreffer hatten wir dagegen beim letzten Blindverkostungswhisky des heutigen Abends um so mehr. Dieses Destillat wurde sogar exakt erraten.

Es handelt sich dabei um die 5-jährige Abfüllung Wee Beastie der Ardbeg Destillerie auf Islay. Ardbeg gehört genau wie Glenmorangie, die wir heute auch schon in der Verkostung hatten, zur französischen Luxusmarke Louis Vuitton Moët Hennessy (LVMH).

Auf der Webseite der Destillerie wird er liebevoll als „a monster of a dram“ bezeichnet. Weiterhin erfahren wir dort, dass man sich zum Ziel gesetzt hatte, den rauhesten und rauchigsten Ardbeg aller Zeiten zu schaffen.

Der Wee Beastie, was übersetzt so viel wie „kleines Biest“ bedeutet, ist 5 Jahre in Ex-Bourbon sowie Oloroso-Sherryfässern gereift.

Treffend zum Grundgedanken der Destillerie ein rauchige Biest zu präsentieren, schlägt uns zunächst die volle Wucht von Holzkohle und Assoziationen eines qualmenden Grills entgegen, gepaart mit salzigen und maritimen Noten und etwas Öligkeit. Als Süße stellen wir Pflaume und Kompott fest sowie frische Feigen und Marille. Etwas salzige Erdnüsse sind ebenfalls vorhanden. Ardbeg ergänzt die Aromem um intensiven schwarzen Pfeffer, Kiefernharz und starken Rauch, frisch und kräuterbetont, mit einem Hauch Vanille, Birne, glasiertem Schinken, sowie kräftigem türkischen Kaffee. Mit etwas Wasser soll er mehr Gras- und Kräuternoten sowie Fenchel, Anis, grüner Apfel & Leder bekommen.

Für den Geschmack wird zunächst Aschenbecher genannt und Grill- und Raucharomen, die richtig Anlauf nehmen, um uns mit voller Wucht zu erreichen. Den Fleischgeschmack beschreiben wir mit österreichischem Katenschinken und geräucherter Salami, Wurzelstracke oder Krakauerwurst. Wir empfinden ihn als recht alkoholstark, er hat aber auch etwas Süßes.

Die Brennerei ergänzt mit teerig mit Schokolade und Fleisch, kräftig, explosiv-ausfüllend mit viel Schokolade, Teer, Kreosot-Teeröl und geräuchertem Speck, gefolgt von einer Eruption antiseptischer Lutschtabletten, Eukalyptus und Anissamen.

Den Nachklang beschreiben wir als sehr schön lang, rauchig und teerig. Trotzdem wird er durch uns als süß- rauchig beschrieben. Und auch offiziell gilt das Finish als lang, vollmundig und salzig mit Noten von Kakao, Fudge-Butterkaramell und herzhaftem Fleisch.

Nur ganz knapp hat der Wee Beastie das Treppchen verpasst und hat von vielen unserer Rauchfans die volle Punktzahl erhalten.

Bezüglich der vermuteten Alkoholstärke einigten wir uns auf etwa 48 Vol. %, womit wir ziemlich gut liegen. Sowohl die Herkunft von der Insel Islay sowie die Destillerie und auch das Destillat wurden in diesem Fall erraten.

Das Blindtasting war sicherlich eine ganz andere Art von Tasting als wir es sonst durchführen, doch da auch die Geschichte der Herstellung von Whisky so vielseitig erzählt werden kann, wird es auch zwischen den einzelnen Destillaten nicht zu kurz aufgrund fehlender Destillerieinformationen, sondern im Gegenteil sehr spannend den vielfältigen Aromen nachzujagen.

Wir sind uns einig, dass wir gerne noch ein weiteres Blindtasting durchführen werden, gerne auch wieder mit persönlichem Treffen.